Abpflastern nach dem "Marburger Modell"

Das „Marburger Modell“ bietet eine sehr günstige Möglichkeit für die Entsiegelung von Pflasterflächen (für Asphaltflächen nicht geeignet). Es wendet sich an erster Linie an Privatpersonen und Firmen. Das Modell kann aber auch auf andere Flächen angewendet werden.

Es befasst sich mit dem Rückbau von Pflasterflächen, welche nicht auf einer Betontragschicht verlegt sind; dies ist bei den meisten Pflasterflächen der Fall, Trifft aber meist genauso auf Plattenflächen zu.

Asphaltflächen können ohne schweres Gerät nicht entsiegelt werden. In diesem Fall sollten Sie sich an einen Baubetrieb wenden.

Da die Umgestaltung in Eigenleistung erbracht werden kann, fallen keine Lohnkosten an. Die erforderlichen Materialkosten betragen weniger als 1.-€/qm ! Privatpersonen können kostengünstig Werkzeuge zum Abpflastern (Spitzhacke, Schaufel, Walze etc) im MaZe in der AusleihBar leihen.

Arbeitsschritte des "Marburger Modells"

Kann die Pflasterfläche einfach abgepflastert werden?

Um diese Frage zu beantworten, sollte ein Stein der Pflasterfläche entfernt werden. Wenn sich loses Material (Pflastersteinbettung aus Splitt o. Sand auf einer Schottertragschicht) darunter befindet, ist die Fläche zum Abpflastern nach dem Marburger Modell geeignet.

Was ist beim Abpflastern zu bedenken?

Einfassung:

Die Einfassung um die Pflasterfläche (Kantenstein o.ä.) hält diese zusammen und ist für ein dauerhaftes Funktionieren sehr wichtig. Beim Abpflastern sollte daher die ganze eingefasste Fläche abgepflastert werden. Wenn nur eine Teilfläche innerhalb einer Einfassung beseitigt werden soll, sollte die verbleibende Fläche auf jeden Fall neu eingefasst werden. Dies kann recht aufwendig sein.

Pflasterstein-Recycling:

Wohin mit den Pflastersteinen? Es ist sinnvoll, sich schon vor dem Abpflastern zu überlegen, was mit den Steinen geschehen soll, bspw.: im Garten recyceln (z.B. Hintermauerung von Trockenmauer) oder Weitergabe an Selbstabholer. Alternativ bieten wir an, die Steine an einem zentralen Ort zu lagern.

Abpflastern:

Nun können mit einer Spitzhacke leicht alle weiteren Steine ausgebaut werden. Diese an geeigneter Stelle zur Zwischenlagerung stapeln oder gleich zum neuen Verwendungsort transportieren.

Einfassung (=“Stolperstufe“) zertrümmern oder anfüllen

Variante 01, zertrümmern: Wenn die Einfassung nicht mehr benötigt wird, da eine Rasen- oder Pflanzfläche daran angrenzt, kann diese mit einem Vorschlaghammer zertrümmert werden. Es entsteht ein fließender Übergang zu den angrenzenden Flächen.

Variante 02 Schotterteil anfüllen: Mit einem Gartenrechen von der Mitte der Pflasterfläche zu den Rändern etwas Schotter befördern, damit die Stolperstufe am Pflasterrand verschwindet. Den am Rand aufgefüllten Schotterkeil mit einem Handstampfer verdichten.

Grünschnitt-Kompost aufbringen:

Grünschnitt-Kompost (2 Liter/qm, Kosten = ca. 0,25 €/qm) auf der Fläche aufbringen und ca. 5 cm tief in den Schotter einarbeiten. Die Fläche ausplanieren

Ansaat mit hochwertigem, heimischen Wildblumen:

Variante 01: Kräuterrasen – für befahrbare und/oder begehbare Flächen, sehr niedriger Wuchs. Ansaat mit hochwertigem, regionalem Saatgut (niedrige einheimische Wildblumen und trittfeste Gräser).

Variante 02: Magerbeet ansäen – wenn die Fläche selten oder gar nicht betreten wird, höher wachsend. Ansaat mit hochwertigem, regionalem Saatgut (höhere einheimische Wildblumen, keine Gräser).

Variante 03 – Magerbeet ansäen und StaudenpflanzungFür Flächen wie unter Var. 02, welche selten oder gar nicht betreten werden und höher wachsen. Die zusätzliche Pflanzung von einheimischen Wildstauden ermöglicht schnellere Blühergebnisse.

Die Wildstaudenpflanzung erfolgt im Bereich des Schotterkeils.

Der Schotterkeil zum Anfüllen der Einfassung wird dann nicht ausschließlich mit Schotter hergestellt, sondern im Verhältnis von 1:1 mit Kompost gemischt. Es wird dann pro Quadratmeter Schotterkeil eine Menge von 40 Liter Kompost benötigt (Kosten = 5.-€/qm).

Die Stauden werden nach Bezug beim Neuen Botanischen Garten in dem Schotterkeil eingepflanzt. Pro Quadratmeter benötigt man 5 Stck. Stauden. Die anfallenden Kosten betragen 1.-€ pro Staude.

Die verbleibende Schotterfläche innerhalb des Betonkeils wird wie unter Variante 02 angesät.

Das Saatgut gleichmäßig auf der Fläche aussäen, nicht einarbeiten. Dann mit einer Rasenwalze anwalzen. Die Ansaat braucht nicht gewässert werden.

Für Asphalt- und Betonflächen:

Gebundenen Flächen sind extrem schwer eigenständig zu entsiegeln und benötigen Unterstützung von Fachleuten. Wir beraten Sie gerne, ob es sinnvoll ist, eine solche Fläche zu entsiegeln und welche Kosten auf Sie zukommen.

WERKZEUG, SAATGUT UND PFLANZEN FÜR DIE UMSETZUNG DES "MARBURGER MODELLS"

Werkzeug:

In der Verleihbar der Solidarburg (MaterialZentrum Marburg, Biegenstr. 17, 35037  Marburg), kann das gesamte für das Abpflastern nach dem „Marburger Modell“ erforderliche Werkzeug ausgeliehen werden.

Liste Abpflasterset

 – Maurerkelle
 – Spitzhacke
 – Vorschlaghammer
 – Gartenrechen
 – Schaufel
 – Handstampfer
 – Rasenwalze

Saatgut:

Für Flächen im Stadtgebiet von Marburg kann das Saatgut kostenlos bei der Solidarburg (MaterialZentrum Marburg, Biegenstr. 17, 35037  Marburg), bezogen werden. Abholzeiten: von Mo-Fr 15-18:00, kontakt@Solidarburg.de

Erforderliche Informationen sind:

  1. a) Flächengröße in qm
  2. b) Soll die Fläche befahrbar und begehbar sein oder dürfen die Blumen höher wachsen?

Das Saatgut gleichmäßig auf der Fläche aussäen, nicht einarbeiten. Dann mit einer Rasenwalze anwalzen. Die Ansaat braucht nicht gewässert werden.

Pflanzen:

Einheimische Wildstauden können über uns beim Neuen Botanischen Garten der Universität Marburg bezogen werden. 

Wir von der Gruppe „Abpflastern Marburg“ beraten und unterstützen Sie gerne bei Ihrem Vorhaben. Wenn Sie Fragen haben – wenden Sie sich gerne an uns: Kontakt(a)Solidarburg.de   oder 06421-8857154 AB